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Trinkwasserenthärtung in Greven

(vom 11.08.2016)

Der Weg zur Entscheidung hat drei Jahre in Anspruch genommen. Wissenschaftler haben Gutachten erstellt, mehrere Pilotanlagen haben im Wasserwerk den Testbetrieb absolviert, Daten mussten ausgewertet werden. Auf dieser Grundlage hat sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke Greven in seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag gegen den Bau einer zentralen Wasserenthärtung im Wasserwerk in Wentrup entschieden.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Der Aufsichtsrat hat das Für und Wider sorgfältig abgewogen. Am Ende überwiegen die unternehmerischen Risiken, die wir nicht eingehen können“, begründet der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Uwe Meyer den Beschluss des Gremiums. Er ruht auf einem gesicherten Fundament aus Daten und Fakten, wie der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Diesfeld betont: „ Der Aufsichtsrat ist von der Geschäftsführung stets gut und umfassend informiert worden und war immer auf dem aktuellen Stand.“

Im Zentrum steht das untragbare wirtschaftliche Risiko für das Unternehmen. Dieses wird von den technischen Besonderheiten der Wasserenthärtung in Greven verursacht. „Wasser ist nicht gleich Wasser. Verfahren, die in der Nachbarschaft funktionieren, sind nicht auf unsere Verhältnisse übertragbar“, erklärt Wolfgang Dewenter, technischer Prokurist der Stadtwerke. Das Wasser, das in Greven gefördert wird (das so genannte Rohwasser) enthält in besonderem Maß Eisen und Mangan; der Testbetrieb der Pilotanlagen hat gezeigt, dass diese Bestandteile die Membranfilter der Enthärtungsanlage verstärkt beanspruchen. Um diesen Effekt auszugleichen, hätten die Stadtwerke ihre Wasserförderung in einem erheblichen Maß erhöhen müssen. Dazu hätten die Stadtwerke neue Brunnen erschließen müssen, was genehmigungsrechtlich aufwändig ist und zusätzliche Kosten verursacht. „Technisch könnten wir das Ziel erreichen, den Härtegrad von 20 auf 10 zu senken. Wirtschaftlich ist es aber nicht darstellbar“, so Wolfgang Dewenter.

„Wir reden über einen Aufwand von mehr als sechs Millionen Euro für die Enthärtungsanlage und für zusätzliche Wasserrechte, also für neue Brunnen“, fasst Stadtwerke-Geschäftsführerin Andrea Lüke die Zahlen zusammen, „mit entsprechenden Folgen für die Verschuldungsquote des Unternehmens. Die Mehrkosten für eine erhöhte Wasserförderung wären im Übrigen sofort auf uns zugekommen.“ Ohne Enthärtungsanlage reichen die jetzt bestehenden und genehmigten Fördermengen selbst dann aus, wenn die Bevölkerung in Greven bis zum Jahr 2039 auf prognostizierte 40.000 Einwohner wächst.

Der Bau einer zentralen Wasserenthärtung hätte die Stadtwerke außerdem auf rechtlich unsicheres Terrain geführt. Andrea Lüke: „Es ist festzuhalten, dass die Trinkwasserverordnung keinen bestimmten Härtegrad des Wassers vorsieht. Wasserenthärtung ist keine Pflichtaufgabe. Somit wäre eine Klage gegen eine Erhöhung des Wasserpreises durchaus denkbar gewesen.“ Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Wasserverbrauch von 150 m³ pro Jahr hätte über 80 Euro mehr für Trinkwasser bezahlt.

„Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Wir haben sie aber im Sinne des Unternehmens gefällt, das vor Ort und in der Region verwurzelt ist“, so Dr. Uwe Meyer, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Greven. Geschäftsführerin Andrea Lüke ergänzt: „Ich kann es verstehen, wenn der eine oder andere Verbraucher jetzt enttäuscht ist. Es bleibt aber festzuhalten, dass unser Wasser eine hervorragende Qualität hat.“

Weitere Informationen in Stichpunkten:

  1. Das Prüfverfahren als Entscheidungsgrundlage für den Aufsichtsrat bestand aus drei Schritten:

    Ø  Auswahl eines geeigneten Verfahrens (Membranfiltrationsverfahren)
    Ø  Testbetrieb in Pilotanlagen in verschiedenen Konfigurationen
    Ø  Bewertung des Testbetriebes durch wissenschaftliche Gutachten

  2. Die Gutachten beleuchteten den technischen Aspekt der Wasserenthärtung (lässt sich der gewünschte Härtegrad durch das Verfahren erzielen?) sowie den Aspekt der erforderlichen Fördermenge an Rohwasser.


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